Über UN/INFORM
Archäologie der Selbstverständlichkeit
UN/INFORM ist kein klassisches Magazin.
Keine Verbraucherberatung.
Keine Kampagne.
Keine schnelle Aufklärung.
UN/INFORM ist ein öffentlicher Publikations- und Wahrnehmungsort für Informationsunterbrechungen.
Es ist eine kuratorische Praxis des Gegenlesens.
UN/INFORM produziert nicht einfach mehr Information. Es nimmt vorhandene Aussagen, Bilder, Zahlen, Stimmen, Gegenstände und mediale Rahmungen auf und ordnet sie neu.
Es stellt gegenüber. Es trennt, was selbstverständlich verbunden erscheint. Es verbindet, was gewöhnlich getrennt bleibt. Es macht Leerstellen sichtbar.
Nicht gegen Journalismus. Nicht gegen Information.
Sondern gegen den Moment, in dem eine angebotene Lesart zur einzigen möglichen wird.
UN/INFORM betreibt eine Archäologie der Selbstverständlichkeit.
Es untersucht nicht zuerst das Auffällige. Es untersucht das Vertraute:
Produkte. Etiketten. Zahlen. Rankings. Verpackungen. Versprechen. Routinen. Digitale Oberflächen. Mediale Aussagen. Orte des Alltags.
Es gräbt unter dem Normalen.
Dort, wo Dinge so gut funktionieren, dass wir sie kaum noch wahrnehmen. Dort, wo ein Produkt unsere Erwartung erfüllt. Eine Zahl beruhigt. Ein Label Vertrauen erzeugt. Eine Bewertung Erfahrung ersetzt. Eine Überschrift bereits festlegt, wie etwas gelesen werden soll. Ein Ort unser Verhalten bestimmt, bevor wir es bemerken.
UN/INFORM beginnt dort, wo Information bereits wirkt, bevor wir fragen.
Ein Produkt erscheint. Ein Bild erzeugt Vertrauen. Eine Zahl entlastet. Ein Label beruhigt. Eine Bewertung ersetzt Erfahrung. Eine Überschrift ordnet Wirklichkeit. Ein Versprechen schließt die Frage. Ein Ort wird genutzt, bevor seine Wirkung sichtbar wird.
UN/INFORM hält diesen Moment offen.
Nicht mit mehr Information. Nicht mit fertiger Meinung. Nicht mit einem vermeintlich besseren Urteil.
Sondern mit einer Unterbrechung. Mit einer Verschiebung. Mit einer anderen Anordnung des bereits Vorhandenen.
Jede Ausgabe untersucht eine Situation des Alltags:
Mandelmilch. Formfleisch. Alkoholfreier Wein. Bewertungssterne. Schlafuhren. Barista-Produkte. Herkunft. Zucker. Wasser. Funktion. Erwartung.
Aber auch:
öffentliche Aussagen, mediale Rahmungen, sportliche Ordnungen, Rankings, Teilnahme, Zugehörigkeit und Sichtbarkeit.
Auf den ersten Blick sind das einzelne Themen. Auf den zweiten Blick zeigen sie dieselbe Bewegung:
Information ordnet Wahrnehmung. Gestaltung erzeugt Bedeutung. Auswahl erzeugt Gewicht. Anordnung erzeugt Zusammenhang. Erwartung wird schneller als Erfahrung.
Das Urteil beginnt, bevor die Frage entstehen konnte.
UN/INFORM unterbricht diese Bewegung.
Es fragt:
Was sehen wir, bevor wir erkennen?
Was lesen wir, bevor Sinn feststeht?
Was hören wir, bevor wir zuordnen?
Was schmecken wir, bevor wir bewerten?
Was glauben wir bereits, bevor wir selbst fragen?
Welche Stimme erscheint selbstverständlich?
Welche Position spricht mit?
Was bleibt unsichtbar, weil es nicht ausgewählt wurde?
Was verdrängen wir, weil etwas zu gut funktioniert?
Und was verändert sich, wenn dieselben Informationen anders angeordnet werden?
UN/INFORM arbeitet mit Text, Bild, Stimme, Klang, Material, Raum und Handlung.
Eine Untersuchung kann als Ausgabe, Essay, Audio, Plakat, Bildserie, Objekt, Schaufenster, Satz auf einer Bank oder Fragment im Stadtraum erscheinen.
Oder als QR-Code, der in eine zweite hörbare oder digitale Schicht führt.
UN/INFORM gehört zum Wirkfeld CMG EVERYDAY.
CMG EVERYDAY untersucht Alltag, Konsum, Erholung, Wohnen, Reisen, digitale Routinen, Mediennutzung und Lebensformen als Aufmerksamkeitsfelder.
UN/INFORM bringt diese Untersuchung in eine öffentliche Form.
CMG ist das System.
CMG EVERYDAY ist das Wirkfeld.
UN/INFORM ist der öffentliche Publikations- und Wahrnehmungsort.
Sein Verfahren ist das kuratorische Gegenlesen.
Information schließt.
UN/INFORM öffnet.
Bevor Meinung sich schließt.
AUTORSCHAFT, HERAUSGABE UND TRÄGERSCHAFT
UN/INFORM wurde von Steffen Rolla entwickelt und wird von ihm künstlerisch verantwortet.
Er entwickelt die Untersuchungen, Setzungen und Ausgaben und entscheidet über Themen, Sprache, Form, Auswahl, Verdichtung und Veröffentlichung.
Herausgeber und Produktionskontext ist rolla.studio.
rolla.studio schafft den gestalterischen, technischen und publizistischen Rahmen, in dem UN/INFORM entwickelt, produziert und veröffentlicht wird.
CMG – Creative Mind Gymnastics e. V. schafft die Bedingungen für öffentliche Setzungen und organisiert deren Umsetzung.
Der Verein ermöglicht Kooperationen, Förderung, Orte, Materialien, technische Infrastruktur und Vermittlung in Stadt und Gesellschaft.
Er gibt nicht die einzelne künstlerische Aussage vor.
CMG bildet den methodischen und künstlerischen Werkzusammenhang.
CMG EVERYDAY ist das Wirkfeld, in dem Alltag, Konsum, Medien, digitale Routinen und Lebensformen als Aufmerksamkeitsfelder untersucht werden.
Steffen Rolla trägt die künstlerische Autorschaft und Werkverantwortung.
rolla.studio ist Herausgeber und Produktionskontext.
CMG – Creative Mind Gymnastics e. V. ermöglicht und organisiert die öffentlichen Setzungen.
CMG ist das System.
CMG EVERYDAY ist das Wirkfeld.