ART/ECHO 01
Merge and Believe / Pause and Perceive
Merge and Believe / Pause and Perceive
Zwei eigenständige Audioarbeiten in einer kuratorischen Beziehung.
Gemeinsame Rückfrage
Was geschieht zwischen dem Funktionieren eines Systems und dem Glauben an seine Antwort?
I
MERGE AND BELIEVE
UN/HEARD
Boris
NOCH NICHT ANTWORTEN.
Was ist im ersten Stück bereits entschieden?
II
PAUSE AND PERCEIVE
UN/HEARD
Steffen Rolla
RELATIONALES FEEDBACK ÖFFNEN RELATIONALES FEEDBACK SCHLIESSEN
Durch Pause and Perceive wird in Merge and Believe hörbar, dass die Krise nicht erst dort beginnt, wo Technik versagt.
Sie beginnt dort, wo technisches Funktionieren mit Wissen, Vertrauen und Verantwortung verwechselt wird.
Die Tests sind grün.
Der Build läuft.
Das System liefert.
Doch niemand besitzt noch eine vollständige Beziehung zu dem, was geschieht.
Dabei ist die Wahrnehmung nicht vollständig verschwunden. Jemand bemerkt, dass etwas nicht stimmt. Intuition, Zweifel und Warnung sind vorhanden. Sie werden jedoch unter Geschwindigkeit, Kennzahlen und Prozesslogik begraben.
Pause and Perceive setzt an dieser Stelle eine Unterbrechung. Das Werk fordert dazu auf, den Prozess erneut wahrzunehmen, bevor technische Vollendung zur Gewissheit wird.
Durch Merge and Believe wird diese Forderung jedoch selbst fraglich.
Denn im ersten Werk sieht bereits jemand, dass etwas falsch läuft. Trotzdem wird weiter ausgeliefert.
Damit verschiebt sich die Frage:
Nicht nur jemand muss sehen.
Jemand muss das Gesehene gegen die Logik des Systems wirksam machen können.
Wahrnehmung allein erzeugt noch keine Verantwortung. Zweifel allein hält keinen Prozess auf. Eine Pause bleibt folgenlos, wenn niemand die Möglichkeit besitzt, aus ihr eine andere Handlung entstehen zu lassen.
Zwischen beiden Arbeiten bleibt deshalb keine einfache Gegenüberstellung von Mensch und Maschine zurück.
Es bleibt die Frage nach einer Ordnung, in der Menschen noch anwesend sind, ihre Wahrnehmung aber keine operative Kraft mehr besitzt.
Jemand sieht es.
Trotzdem geschieht es.
Zwischen Merge und Believe fehlt daher nicht nur die Pause.
Es fehlt der Raum, in dem aus Wahrnehmung eine verantwortete Entscheidung werden kann.
Kuratorischer Text · ART/ECHO 01
ART/ECHO setzt eigenständige künstlerische Arbeiten nicht zu einem gemeinsamen Werk zusammen.
Es ordnet sie so, dass die eine die Wahrnehmung der anderen verschieben kann.
Die zweite Arbeit erklärt die erste nicht.
Sie verändert, was in ihr hörbar wird.
Die erste legt die zweite nicht fest.
Sie verändert die Erwartung, mit der ihr begegnet wird.
Die kuratorische Arbeit liegt in diesem Dazwischen:
in der Reihenfolge,
in der Unterbrechung,
in der Erinnerung an das bereits Gehörte
und in der erneuten Wahrnehmung.
Dieses Dazwischen ist weder Synthese noch gemeinsame Autorschaft.
Es ist eine relationale Situation, die erst im Hören entsteht.
Die Werke behalten ihre Eigenständigkeit, ihre Herkunft und ihre getrennten künstlerischen Verantwortungen.
Nicht die Antwort auf das Werk.
Das Werk als Antwort.